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Kapitel 12 - Geständnis

  In seinem Zimmer angekommen, lie? sich Maya auf das Bett von Charles fallen, zog seine Decke nah an ihr Gesicht und schnupperte daran. Dann umarmte sie sein Kopfkissen ganz fest und drehte sich mit einem L?cheln auf den Lippen zu ihm: ?Um ehrlich zu sein, bin ich etwas verwirrt, dass du mich hierhergebracht hast. Meine Geheimbasis w?re doch ein viel besserer Ort für ein Gespr?ch gewesen. Dort k?nnten wir ganz ungest?rt sein, wenn du verstehst, was ich meine“, sagte sie und zwinkerte Charles zu, der Abstand von ihr hielt.

  Von wegen! Denselben Fehler wie auf der Mauer mache ich kein zweites Mal. Wir bleiben sch?n in der Reichweite von Zeugen.

  Maya richtete sich auf und blickte Charles mit leuchtenden Augen an.

  ?Also, was wolltest du mir sagen?“

  Ihr auff?lliges Verhalten beeindruckte Charles kein bisschen. Er war überzeugt davon, dass dies alles Teil ihrer Taktik war, um ihn aus der Fassung zu bringen.

  ?Ich frage dich am besten direkt: Warum wolltest du Valentin t?ten? Ich meine, dass du sauer auf ihn bist, kann ja sein, und sicherlich trage ich eine Mitschuld an der ganzen Sache. Ihn dafür umzubringen, geht jedoch definitiv zu weit. Findest du nicht?“

  Die Augenbrauen von Maya zogen sich nach oben und sie sah Charles mit leicht ge?ffnetem Mund an, bevor sie ihn wieder schloss und ihre Augenlider herabsanken.

  ?Das ist also die ?wichtige‘ Angelegenheit, die du mit mir zu besprechen hast? Sowas Irrelevantes?“

  ?Irrelevant …? Irrelevant! Du hast Valentin beinah ermordet! Wie kann das irrelevant sein?“, fuhr Charles sie an. Er kam einen Schritt auf sie zu und zeigte mit seinem Finger auf sie. ?Was bringt dir der Frieden für dein K?nigreich, wenn du deine Untertanen beseitigst?“

  Daraufhin erhob sich Maya, verschr?nkte die H?nde hinter dem Rücken und ging langsam auf Charles zu. W?hrend sie um ihn herumlief, folgte er ihr unabl?ssig mit dem Blick.

  ?Charlie, soweit ich das gesehen habe, hast du für ihn Pizza geholt. Wenn der gute Valentin schon wieder Appetit hat, dann kann man davon ausgehen, dass alles in Ordnung ist“, erwiderte sie mit süffisantem Ton in der Stimme.

  ?Ja, aber nur, weil ich enormes Glück hatte und ihm genügend Zeit verschaffen konnte, bis er ?rztliche Hilfe bekommt.”

  Seine Stimme schwankte und er krallte sich an seiner Hose fest.

  ?Sein Herz hatte aufgeh?rt, zu schlagen! Ist dir das bewusst, Maya?“

  Ihre Augen rollten zur Seite und mit einem ver?chtlichen Schnauben winkte Maya ab.

  ?Im schlimmsten Fall h?tte ich ihn jederzeit wiederbeleben k?nnen. Als du pl?tzlich aufgetaucht bist, kam mir allerdings die Idee, dir eine Lektion zu erteilen. Es kann schlie?lich nicht sein, dass du Mist baust und komplett ungeschoren davonkommst.“

  W?hrend Maya sprach, tippte sie Charles auf die Brust. Dessen Augenbrauen spitzten sich zu.

  ?Und was ist, wenn ich versagt h?tte? Wenn ich zu schwach gewesen w?re?“

  ?Ich war die ganze Zeit in der N?he, und schlie?lich hast du es doch geschafft, oder nicht?“

  Trotzdem lie? Charles nicht locker.

  ?Das spielt keine Rolle!“

  Daraufhin erhob Maya ihre Stimme: ?Ganz richtig! Im Endeffekt ist die Sache gegessen. Valentin hat seine Strafe bekommen. Selbst schuld, wenn er sich zwischen uns stellt!“

  Ihre Nasenflügel fingen an, zu beben. Der letzte Satz verwirrte Charles etwas. Allerdings sah er keinen Sinn darin, noch weiter nachzuhaken. Es war offensichtlich, dass er sie auf diese Weise nicht zur Vernunft bringen konnte.

  Nachdem Maya tief eingeatmet und sich beruhigt hatte, versuchte sie, das Thema zu wechseln.

  ?Also, wann traust du dich, es zu sagen? Ich meine, der indirekte Kuss mit der Pizza war schon offensichtlich. Aber ich will dir natürlich nicht deinen Auftritt versauen.“

  Eine Augenbraue von Charles wanderte nach oben.

  H?? Was meint sie damit?

  Seine Reaktion brachte Maya zum Schmunzeln.

  ?Ach Charlie, ist es dir denn gar nicht aufgefallen?“

  Sogleich zog sie eine Karte aus ihrem Rock und warf diese zu Charles. Als er die Karte fing und umdrehte, erstarrte Charles. Es war der Herzk?nig von der Zaubershow. Mit ger?teten Wangen l?chelte ihn Maya an.

  ?Verstehst du es jetzt? Du bist der K?nig meines Herzens! Ich liebe dich, Charles Libertus Fran?ois.“

  Charles Augen weiteten sich. Der Mund stand ihm offen. Dafür schloss sich für ihn gedanklich der Kreis.

  Das Forcieren des Herzk?nigs – ein Hinweis darauf, was sie in mir sieht.

  Die Zurschaustellung ihrer langen Beine – sie will mich verführen.

  Ihre seltsamen Kommentare und Gesten – anscheinend Flirtversuche.

  Viele weitere Ereignisse bekamen für Charles eine komplett andere Bedeutung.

  Pl?tzlich kam Charles eine grauenvolle Erkenntnis.

  Nun verstehe ich, was sie mit ?sich zwischen uns stellt‘ meinte. Als Maya gesehen hat, wie viel Spa? Valentin und ich beim Grillabend hatten, wurde sie wahrscheinlich eifersüchtig. Deshalb hat sie ihn so hart bestraft. Nicht wegen seines Fehlers, sondern aufgrund ihrer Gefühle für mich.

  In seinem Inneren brodelte es. Dennoch zwang Charles sich dazu, ruhig zu bleiben, damit Maya nichts bemerkte.

  Ich Idiot war zu besch?ftigt, den Helden zu spielen, um es zu merken. Natürlich hat Maya eine Schwachstelle: n?mlich mich!

  Endlich hatte Charles etwas gegen sie in der Hand. Nach einer kurzen Weile wurde ihm allerdings etwas bewusst.

  Das ist der Grund, warum ich bisher gescheitert bin. Sie ist viel zu fixiert auf mich, als dass ich sie in irgendeiner Form überraschen k?nnte. Schon vorher war sie mir in vielen Punkten weit überlegen. Nun kommt noch dazu, dass sie in mich verliebt ist. Das macht die ganze Sache viel schwieriger und gef?hrlicher für mich. Was ist, wenn ich sie zurückweise oder aus Versehen ihre Gefühle verletze?

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  ?Also Charles, wann willst du mir endlich sagen, dass du mich auch liebst?“, fragte Maya und kreiselte dabei ihren Finger auf seiner Brust herum, w?hrend sie ihm tief in die Augen sah.

  Wenn sie Valentin aus purer Eifersucht beinahe umbringt, was macht sie dann mit jemandem, der ihr das Herz bricht? Ich sollte genau überlegen, was ich als N?chstes von mir gebe, sonst ist das mein Ende.

  ?Naja, es ist nicht leicht, sowas zu sagen, vor allem wenn es das erste Mal ist und so …“, antwortete Charles, legte eine Hand hinter den Kopf und schaute zur Seite.

  Dies lockte ein leises, helles Kichern aus Maya hervor.

  ?Ach, wie sü?! Dein Mut von vorhin scheint dich bereits verlassen zu haben. Mach dir nicht so einen Kopf! Es sind nur fünf simple Worte und meine Antwort hast du bereits. Was kann schon schiefgehen, Charlie?“

  Nachdem er geschluckt hatte, zwang Charles sich dazu, aufrichtig zu klingen.

  ?Willst du mit mir gehen?“

  Die Augen von Maya leuchteten auf.

  ?Natürlich, Charlie! Oder sollte ich eher sagen … Liebling? Da wir jetzt zusammen sind, wirst du mich sicherlich bei allem unterstützen, oder nicht? Schlie?lich bin ich ja deine Freundin.“

  ?Sicher doch“, entgegnete Charles.

  Daraufhin verschwanden jegliche Emotionen aus Mayas Gesicht, was Charles einen Schauer über den Rücken jagte. Ein ungutes Gefühl breitete sich in ihm aus.

  ?Dann stell nie wieder meine Methoden infrage. Glaub mir, ich wei? genau, was ich tue!“

  Innerlich biss Charles die Z?hne zusammen.

  Verdammter Mist! Da hab ich mich ja sch?n ausspielen lassen …

  Sogleich nahm Maya seine rechte Hand, in welcher Charles immer noch das Pizzastück hielt, führte diese zu ihrem Mund und biss genüsslich ab. Danach summte sie fr?hlich das Lied seiner Mutter und machte sich dabei auf den Weg, das Jungenschlafzimmer zu verlassen. Am Türrahmen hielt sie kurz inne.

  ?Danke dir für den indirekten Kuss. Wir sehen uns nachher, mein Liebling.“

  Sie zwinkerte ihm zu und lie? Charles alleine zurück. Dieser h?rte, wie sie auf dem Gang auf und ab sprang, bis Maya anscheinend die Treppe erreichte und die Ger?usche verstummten. Als sein Blick auf das halb gegessene Stück Pizza in seiner Hand fiel, verzog Charles die Oberlippe.

  Nach der Aktion gerade ist mir der Appetit vergangen.

  Eine Hand in der Hosentasche vergraben, warf Charles das Pizzastück in den nahegelegenen Mülleimer und schob auch die andere in seine Jeans. Die Stirn in Falten gelegt, trottete er langsam in Richtung Krankenstation.

  Oh Mann! Das Gespr?ch lief absolut gar nicht so, wie ich’s geplant hatte. Statt sie davon zu überzeugen, mal einen Gang runterzuschalten, bin ich in dieser komischen Beziehungsnummer gelandet. Jetzt kann sie mich noch viel besser im Auge behalten, weil wir wahrscheinlich von nun an mehr Zeit miteinander verbringen werden. Zum Glück bin ich wenigstens im Unterricht allein. Die Treffen mit Rochelle hingegen sind nun viel zu riskant. Wenn Maya uns zusammen sieht, dann kann mir nicht mal Gott helfen.

  Kaum hatte er die Krankenstation betreten, h?rte er schon das Schmatzen von Valentin, welcher sich hemmungslos das Essen hineinschaufelte. Die Ober?rztin hatte wohl ihre Mittagspause beendet und ihn mit Nachschlag versorgt. Aufgeregt winkte Valentin ihm zu und schob sich das n?chste Stück Pizza von seinem prall gefüllten Teller in den Mund.

  Ich frage mich, wo das ganze Essen nur hingeht. Der haut rein, als hinge sein Leben davon ab, und ist immer noch dünner als ich.

  ?Wenn du nicht aufpasst, dann verschluckst du dich noch und erstickst. Dann war meine Rettungsaktion umsonst“, scherzte Charles.

  Daraufhin hielt Valentin kurz inne und legte das neue Pizzastück, das er sich bereits gegriffen hatte, wieder auf den Teller zurück. Für einen Moment blickte Valentin zu Charles. Dann wieder zurück auf seinen Teller. Nach einem kurzen Z?gern sagte er: ?Erinnerst du dich noch, was ich über meine Eltern erz?hlt habe?“

  ?Das war doch erst gestern. Wie sollte ich das schon vergessen haben?“, fragte Charles und lie? sich in einen Stuhl neben Valentins Bett sinken.

  Ein flüchtiges L?cheln huschte über dessen Gesicht, bevor sich seine Mundwinkel nach unten senkten.

  ?Wei?t du, w?hrend meiner Folter habe ich an sie gedacht und …“

  Valentin holte tief Luft, seufzte und fuhr fort: ?Du verdienst es einfach, die ganze Geschichte zu h?ren.“

  Die ganze Geschichte? Was meint er damit?

  ?Ich finde das nur fair. Schlie?lich solltest du wissen, was für einer Person du das Leben gerettet hast. Es gibt n?mlich einen Grund, warum ich im Waisenhaus gelandet bin.“

  ?Ja, weil deine Eltern dich aufgrund deiner magischen Kr?fte gehasst haben, oder?“

  Valentin schüttelte den Kopf.

  ?Hass allein macht einen nicht zum Waisen, Charles.“

  Auf seinem Gesicht erschien ein seltsames L?cheln. Eines, das Charles nicht genau deuten konnte. Valentin lief eine Tr?ne über die Wange. Der Atem von Charles stockte. Er ahnte, dass die n?chsten Worte seines Freundes den Lauf der Dinge komplett ver?ndern würden.

  ?Ich bin hier, weil ich meine Eltern get?tet habe. Verstehst du, Charles? Ich bin ein M?rder!“

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